Meine ganz persönliche Art zu reisen

Wie bei fast allen Themen dieser Welt, so scheiden sich auch beim Reisen die Geister. Es gibt so viele Reisetypen, wie das Jahr Monate hat – mindestens. Sei es der sparsame Backpacker, der aktive Outdoor-Urlauber oder der gehtzte Sehenswürdigkeiten-Fan, um nur mal ein paar Stereotypen von Reisenden zu nennen.

Meine Art zu reisen: die Beobachterin

Ich selbst sehe mich allerdings mehr als die träge aufmerksame Beobachterin. Was das heißt? Ok, ich versuche einfach mal mich zu erklären. Ich mag es gemütlich. Irgendwie habe ich in meinem Freundeskreis vor Ewigkeiten das Image bekommen, dass ich fast immer super aktiv bin, morgens früh aufstehe und dann alles geordnet seinen Gang geht. Woher das kommt weiß ich auch nicht so genau, denn eigentlich war ich nie wirklich so, wenn auch früher vielleicht doch noch eher als heute. Die Realität sieht jedenfalls so aus: ich stehe nicht gerne früh auf (ab 8 Uhr, das schaffe ich, aber früher, das ist ganz ekelhaft) , höchstens ein halber Tag darf mit Unternehmungen gefüllt sein, typisches Sightseeing ist mir zuwider und abends ausgehen mag ich auch nicht mehr. Nun fragt sich bestimmt manch einer, was ich denn dann die ganze Zeit auf meinen Reisen mache, beziehungsweise, warum ich nicht einfach zu Hause bleibe. Doch die Antwort ist ziemlich simpel. Ich mag generell das Gefühl des Unterwegsseins und ich liebe es, an einem fremden Ort das Geschehen zu beobachten, gedanklich in die andere Kultur und Umgebung einzutauchen.

Jakarta Pool Füße

Ich liebe es, zu schwimmen und ich liebe es genauso, wie anderen Menschen in und am Pool zu beobachten

Seegurken

Die Gewohnheiten der Einheimischen, wie ihre z.B. Essgebräuche. zu erkunden, gibt mir weit mehr als jede sogenannte Sehenswürdigkeit

Meine Art zu reisen: in Cafés sitzen

Während also viele Reisende gerne die sogenannten Sights abklappern, schlendere ich lieber gemütlich quer durch irgendwelche Gassen, gehe zwischendurch in Geschäfte, schaue, was die Menschen in den Straßen machen und ähnliches. Und am allerliebsten sitze ich mit meinem Laptop in einem Café, schreibe, halte zwischendurch immer wieder inne und beobachte die Menschen um mich herum. Dieses Beobachten kann ich stundenlang machen, ohne mich zu langweilen. Die Verhaltensweisen der Leute in ihrem Alltag sagen mir so viel mehr als jedes historische Gebäude. Ich denke mir Geschichten über sie aus, frage mich, warum sie an diesem Ort sind, wer sie sind, wie sie leben in diesem Land. Das ist meine Art in eine andere Kultur einzutauchen.

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Cafes sind für mich mit die wichtigsten Orte auf Reisen

Meine Art zu reisen: mit viel Ruhe

Zusätzlich bin ich in den letzten Jahren ein sehr ruhebedürftiger Mensch geworden. Damit meine ich nicht, dass ich keine lebendigen Großstädte mag – im Gegenteil. Aber es stresst mich, von einem Ort zum anderen zu hetzen, ich brauche relativ viel Schlaf und ich brauche Zeiten für mich, um das Erlebte zu durchdenken und sacken zu lassen. Klar, ein paar Tage am Stück, zum Beispiel auf Pressetrips kann ich das auch mal: viel Action erleben, immer unterwegs sein, die ganze Zeit reden und networken. Und es macht mir auch Spaß, doch brauche ich danach wieder mehrere ruhige Tage, an denen ich meine Batterien aufladen kann. Deswegen war ich auch nie ein Mensch der in Mehrbettzimmern wohnen kann auf Reisen, wie beispielsweise in Hosteldorms. Und gerade auch wegen dieser trägen Art zu reisen, die für viele Menschen ungewöhnlich oder gar gewöhnungsbedürftig ist, bin ich so gerne allein unterwegs. Wenn ich einen Tag mal einfach nur faul sein, auf dem Hotelbett liegen und meine Gedanken schweifen lassen will, dann brauche ich kein schlechtes Gewissen zu haben. Auch nicht, wenn ich stundenlang vor meinem Laptop rumsitze und das Erlebte erstmal mit Hilfe von Worten verdaue, bevor ich bereit bin, etwas Neues zu erleben. Und ebenso wenig, wenn ich zum fünften Mal im gleichen vegetarischen Restaurant essen gehe, einfach weil es mir schon so vertraut geworden ist und ich weiß, was ich bekomme.

Meine Art zu reisen: warum ich mein Herz an Malaysia verschenkt habe

Man könnte vielleicht sagen, dass ich generell zwar reise, um keine Stagnation und keine Routine aufkommen zu lassen in meinem Leben. Aber auf den Reisen selbst suche ich dann meine kleinen Routinen im Fremden und Neuen, eventuell auch als kleinen Halt. Vielleicht einfach auch, weil ich meine Reisen nicht als Urlaub sehe, nicht als etwas Limitiertes, so dass ich jede Sekunde ausnutzen müsste, sondern viel mehr als mein Alltagsleben an einem anderen Ort. Nicht zuletzt ist mir deswegen sicherlich auch Malaysia so ans Herz gewachsen. Dort habe ich letztes Jahr insgesamt 3 Monate verbracht, wovon ich 2 1/2 an einem College einheimische Studenten unterrichtet habe. Sonderlich viel Sightseeing habe ich in Malaysia wahrlich nicht gemacht, aber ich habe durch meine Studenten und Kollegen so viel über das Land, seine Menschen, die Kultur und die Bräuche gelernt und wahnsinnig nette herzliche Leute kennengelernt. Und das gibt mehr als ein Eifelturm, die Niagara-Fälle oder das Empire State Building.

Langkawi Strand

Malaysia – dieses Land habe ich so lieb gewonnen, weil ich so viel über die Kultur gelernt habe

Chillhouse_Paddle

In Bali habe ich eine Woche mein Retreat nicht verlassen, weil ich mich von einer tollen aber anstrengenden Australienreise erholt habe. Während die anderen alle täglich surfen waren, habe ich gechillt.

17 Kommentare

  1. Toller Artikel!
    Geht mir fast genau so wie dir. Ich verbringe gerne Zeit in Ruhe und Entspannung an einem Ort und lass ihn so auf mich einwirken. Jeden Tag Aktivitäten und Herumhetzen ist mir auch zu viel.
    Alles Liebe aus Krabi
    Nataša

    • Hey….schön zu lesen, dass es jemandem anderes genauso geht. Genieß noch deine Zeit in Thailand. Gruß nach Krabi aus Düsseldorf

  2. Ganz so ruhig wie Du reisen wir nicht, aber unsere Art des Reisens kommt Deiner schon sehr nahe. Wir sind keine Um-die-Welt-in-drei-Monaten-Reisende und keine Adrenalin-Junkies. Eine Sportkanone oder Partynudel war ich nie, wenn auch Petar sich nichts dabei denkt, auf Bäume zu klettern oder den steilsten Hang hinauf zu steigen. Zip-Lining, Bungee Jumping oder Fallschirmspringen? Nichts für mich! Ich bekomme da schon Zustände beim Zuschauen. Wir tauchen gern ein in eine fremde Kultur und lieben es, hinter die Kulissen des Alltags zu blicken, Menschen kennen zu lernen, mit ihnen zu arbeiten, zu kochen, Zeit zu verbringen. Und ja, auch immer wieder mal nur in einem Café zu sitzen und stundenlang die Passanten zu beobachten, ihnen zuzuhören und zuzuschauen. Dabei lernt man viel über die Lebensweise vor Ort. Es gibt viele verschiedene Wege, wie wir Zugang zu den Menschen an unseren Reisezielen bekommen – besonders schön ist es immer, wenn dies zwanglos über längerfristige Kontakte geschieht: beim gemeinsamen Kochen, bei der Weinlese, bei Malkursen, beim Töpfern oder anderen Aktivitäten, die die Menschen vor Ort ausüben. Ich habe mir von einer Schmuck-Designerin in Kanada zeigen lassen, wie man Anhänger aus Muscheln herstellt. Wir waren mit einem Sternekoch unterwegs zu den Lieferanten seiner Zutaten. Wir haben wunderschöne Alpenpanoramen beim Aquarellkurs betrachten gelernt. Die Liste ist endlos. Es gibt so viele Möglichkeiten, ein Land und eine Region intensiv zu erfahren. Und natürlich gehört dazu auch, einmal in einem Café den Nachmittag verbringen und die Menschen bei ihren Alltagsbeschäftigungen zuzuschauen. Ein schöner Beitrag, Katharina.

    • Danke liebe Monika für deinen Kommentar. Wie gesagt, es gibt auch durchaus Tage an denen ich aktiv bin, aber ich halte das halt nicht viele Tage am Stück durch, vor allem wohl weil ich immer diese Momente brauche, um das Erlebte zu verarbeiten. Adrenalin Junkie bin ich halt auch gar nicht. Und Partygirl war ich zwar früher mal, aber das hat schon seit fast 10 Jahren aufgehört. Danke übrigens auch für deine zahlreichen Tipps, wie man die Einheimischen näher kennenlernen kann :-).

  3. Liebe Katharina, wirklich sehr schöner Beitrag! Du hast bei mir direkt das Fernweh geweckt 🙂 Ich liebe es so zu reisen, wie Du es beschrieben hast. Vor allem wenn der Alltag zu Hause meist durchorganisiert und aktiv ist! Was zu verpassen? Tun wir nicht, denn wir erleben das Land und die Kultur auf unsere ganz eigene Art und Weise:) Ich wünsch Dir einen schönen Abend! Liebe Grüße Aimie

    • Liebe Aimie, ich danke dir für deine Worte. Eben, man verpasst nichts wenn man Dinge genauso macht wie man sie mag, auch beim Reisen…dir ebenso einen schönen Abend. Ich grüße dich aus Düsseldorf

  4. Du sprichst mir aus der Seele!
    Ich liebe es auch mich umzuschauen in einem neuen Land und nicht wie viele alles abzuklappern und am Ende völlig gestresst aus dem Urlaub zu kommen 🙂

  5. Nicole Vlachoyanni

    Sehr interessanter Artikel!! Toll, was du machst.

  6. Ja, ich kann dir da schon gut nachfühlen. Ich glaube jeder muß seinen eigenen Rhytmus bekommen beim Reisen. Besonders wenn man länger unterwegs ist, hat man irgendwann soviele Eindrücke gesammelt, daß man sich fühlt wie ein vollgesogener Schwamm, der nichts mehr zusätzlich aufnehmen kann. Dafür sind diese Tage des Nichtstun perfekt, um alles erst einmal wieder sacken zu lassen. Je freier man ist, umso besser kann man seiner Intuition folgen. Wie oft ist es mir so ergangen, daß ich die Reiseroute rein aus dem Gefühl heraus noch einmal komplett umgeschmiessen habe und ja weniger ist oft mehr.

    • Hi Michi, dein Vergleich mit dem vollgeogenen Schwamm passt perfekt. Genauso fühle ich mich, wenn ich zu viel Input bekomme. Und das mit der Reiseroute umschmeißen, das kommt mir auch bekannt vor ;-). LG

  7. Ich liebe es auch einfach nur mit dem Laptop in einem Cafe zu sitzen und Leute zu beobachten. Zwischendurch darf es aber auch ruhig etwas hektischer sein.
    Alles Liebe
    Jules
    http://www.mabelicious.com

  8. Ein interessanter Beitrag, der wohl auch einmal mehr zeigt, dass das Alleine reisen durchaus seinen Reiz haben kann.
    Ein jeder hat wohl seinen eigenen Rhythmus, dass stimmt. Wir sind so unterschiedliche Typen Mensch und doch scheinen hier einige zusammen zu kommen, die auf einer Reise die Umgebung ähnlich wahrnehmen.
    Große Sehenswürdigkeiten, wie Gebäude interessieren mich nur bedingt bzw. eher gar nicht. Ich finde es nicht wichtig zu wissen, wer an einem Ort vor hunderten von Jahren mal etwas getan hat, weswegen diesem Ort dann ein Denkmal für diese Person errichtet wurde. Es ist eher umgekehrt. Wenn ich an einen Ort komme, der mich aus irgendeinem Grund fasziniert, erkunde ich vielleicht die Geschichte dahinter oder aber lasse auch einfach nur meiner Phantasie freien Lauf. So geht es mir auch mit Menschen… da ich auch ein kleiner Schreiberling bin, passiert es mir manchmal, dass ich über Menschen die ich gar nicht kenne, zu schreiben beginne und mich frage, was wohl ihre Geschichte ist. Vielleicht sollte ich mich auch mal öfter in eine Großstadt in ein Café setzen. Kaffee, Papier, Stift… einfach mal treiben lassen.
    Wer die Freiheit hat, viel reisen zu können, für den ist so eine Art des Reisens, wie du und auch deine Besucher sie hier beschreibst, sicher traumhaft! Auf meinen derzeitigen Recherchen im Internet, was das erste Reiseziel seit Jahren betrifft, treffe ich auch auf Menschen, die ihren Urlaub von A bis Z durchplanen und in kürzester Zeit möglichst viel sehen wollen. Ich frage mich, wie man das schaffen kann, ohne sich dabei vollends zu stressen. 😀
    Ich gehöre da wohl eher zu der Kategorie, die eine Mischung aus beidem – Ruhe & Abenteuer – bevorzugen.
    Sonnige Grüße!

    • Also ein wenig Abenteuer mag ich natürlich auch. Wenn es nur ums erholen ginge, dann würde ich immer auf die Kanaren fliegen ;-). Aber ich brauche halt zwischendurch immer viele Ruhephasen, um das Gelebte verarbeiten zu können. Deine erste Reise seit Jahren? Wie lange genau bist du denn schon nicht mehr verreist? Und mach dir nicht zu viele Gedanken. Einfach machen…:-)

  9. Hey Katharina,

    sehr cooler Beitrag. Das entspricht genau meiner Art zu reißen, nur dass ich zeischendrin etwas Aktion in Form von Sport brauche.
    Ich Reise weil ich es liebe neues zu entdecken, sei es Kulturen, Menschen oder essen.
    Ich liebe es Menschen zu beobachten, durch fremde Gassen zu schlendern, Einheimische kennenzulernen und ganz wichtig: Essen auszuprobieren.
    Für mich ist es wichtig an einem Ort auch mal zu verweilen um den Ort richtig kennenzulernen oder noch besser dort zu leben!
    Deswegen werde ich ich im Januar auch für 6 Monate nach Kuala Lumpur gehen um dort an einer Schule zu arbeiten. Ich bin schon ganz gespannt und hoffe ich werde deine Begeisterung für Malaysia bald teilen.
    Vorher möchte ich noch 2 Wochen nach Thailand, wohin genau weiß ich auch noch nicht….aber vielleicht sieht man sich ja 🙂

    • Hi Namensvetterin :-), ach wie cool, auch KL. Ich unterrichte ja ganz in der Nähe an einem College. An was für einer Schule wirst du unterrichten. Ich bin begeistert von Malaysia, aber manchmal auch erschrocken, über die Politik, das Gesundheitssystem und einiges mehr hier. Aber was ich zu 100% sagen kann, so viel Herzlichkeit wie hier, habe ich nirgends erlebt :-). LG

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