Tipps für PR-Leute – Blog Kooperation

Es wird ja immer wieder heiß diskutiert, was eigentlich einen guten Blog ausmacht. Die verschiedenen Meinungen gehen da weit auseinander, natürlich auch davon abhängig, aus welcher Perspektive man sich diese Frage stellt. Da wären zum einen die Blogger selbst, zum anderen die Leser und außerdem, die Firmen und PR-Agenturen, die mit den jeweiligen Blogs eventuell eine Blog Kooperation eingehen möchten. Viele Mitarbeiter aus der Branche kennen sich gut aus, sind oder waren vielleicht selbst Blogger oder haben generell ein gutes Wissen und einen ebenso guten Überblick, was die Blogger-Szene betrifft. Doch nicht jeder weiß unbedingt, was denn nun vor einer Blog Kooperation beachtet werden sollte, so dass diese nicht im Leeren verläuft, sondern einen Nutzen für die Firma bringt.

Mittlerweile habe ich selbst zahlreiche Kooperationen hinter mir und somit mit den unterschiedlichsten Firmen zusammen gearbeitet. Einige Beispiele könnt ihr auf meiner Seite Kooperationen finden. Und je länger ich mit verschiedenen Firmen und Agenturen kooperiere, desto mehr Gedanken mache ich mir auch darüber, was für diese den größtmöglichen Mehrwert bietet. Diese Gedanken und meine persönlichen daraus resultierenden Schlussfolgerungen habe ich für euch einmal zusammengefasst.

Work

Hinter einem guten Blog steht immer viel Arbeit – doch welche Faktoren sind noch wichtig?

 

Blog Kooperation – Was ist eigentlich ein „guter“ Blog?

Qualität der Texte

An erster Stelle steht für mich einfach immer die Qualität der Texte. Dies bedeutet nicht, dass eine hochtrabende wissenschaftliche Abhandlung verfasst werden soll – ganz im Gegenteil. Der Text soll sich flüssig lesen, weitestgehend fehlerfrei (einige kleine Ausrutscher passieren uns allen mal) und vor allem auch interessant sein, so dass er nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Ich halte extrem viel vom sogenannten Storytelling, denn eine anschaulich erzählte Geschichte bleibt doch viel länger im Kopf, als ein paar langweilige, eventuell rein beschreibende Zeilen. Ich vergleiche das gerne mit meiner zweiten Arbeit, dem Unterricht für Deutsch als Fremdsprache. Wenn ich möchte, dass meine Studenten sich eine Vokabel merken, dann schreibe ich diese nicht einfach nur auf, sondern beschreibe sie in einem Kontext, erkläre sie anschaulich, male sie vielleicht noch an die Tafel. Der Lerneffekt ist so viel höher. Ähnlich verhält es sich auch mit den Produkten auf Blogs. Sie wirken viel länger nach, wenn sie in einem entsprechenden Kontext stehen, der sie Leser anspricht.

Tipp für die PR-Branche: achtet darauf, dass der Blogger das Produkt nicht einfach nur nennt und beschreibt, sondern es in eine interessante, bestenfalls persönliche Geschichte einbindet.

 

Authenzität des Blogs

Ein Blog beinhaltet fast immer auch persönliche Aspekte. Es geht hier um eine oder mehrere Personen, welche die Leser an ihrem Leben und auch ihrem Geschmack teilhaben lassen. Das A und O ist dabei Authentizität. Denn wenn ein Blog nicht glaubhaft wirkt, dann wird er sich auf Dauer auch nicht durchsetzen. Dabei ist es natürlich wichtig, dass weitestgehend eine Linie vertreten wird. Wer den einen Tag davon schwärmt, wie toll es sich als Vegetarier lebt und kurz darauf leckere Geflügel-Produkte bewirbt, der macht sich schnell unglaubwürdig. Jeder Blogger sollte nur Produkte berwerben, die zu ihm und der Seite passen und hinter denen er stehen kann.

Tipp für die PR-Branche: Schaut euch den Blog genau an und lest die About-Seite sowie einige Beiträge. Findet ihr die in „About“ beschriebene Person auch in den Texten wieder? Ergibt sich ein stimmiges rundes galubhaftes Bild? Wenn ihr eine Blog Kooperation eingehen wollt, dann sollte euer Produkt zu der Person passen, die es bewerben soll.

Sonnenunergang Bangkok

Der Blog sollte etwas von der Persönlichkeit des Bloggers zeigen und durch und durch authentisch sein

 

Bilder

Mal ganz ehrlich? Lest ihr Artikel ganz ohne Bilder? Klar, in einigen Themenbereichen sind Bilder weniger wichtig als in anderen. Jedoch finde ich, dass eine gute Bebilderung jeden Text qualitativer macht. Gerade wenn es, wie in meinem Fall, um Lifestyle und Reisen geht, dann sind Fotos einfach unerlässlich. Und ich ertappe mich selbst manchmal dabei, wie ich einen Artikel anklicke und schnell wieder weg bin, wenn es nicht genug Bildmaterial gibt. Ebenso, wenn die Fotos ziemlich schlecht oder einfach nicht aussagekräftig sind. Dabei bin ich persönlich schon ein Mensch, der sehr wort- und textfixiert ist. Somit muss es also visuellen Menschen noch stärker so gehen, wie eben beschrieben.

Zudem finde ich es auch sehr wichtig, weitestgehend auf professionelle Stockfotos der Firmen zu verzichten, sondern stattdessen eigene Bilder zu machen, damit auch diese einen persönlichen Charakter haben. Gerade im Reisebereich gehört auch dieser Aspekt zum Thema Authentizität. Der Leser möchte doch sehen, dass sein Blogger wirklich in dem Land oder dem Hotel gewesen ist, nicht wahr?

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Ich benutze zu 95% meine eigenen Bilder – auch solche Details sind für die Blog Kooperation nicht unwichtig

Tipp für die PR-Branche: schaut in einige (am besten thematisch verschiedene) Posts und betrachtet die Bilder. Stellt euch dann folgende Fragen: Passen diese zum Blog? Sind sie hochwertig genug? Benutzt der Blogger eigene persönliche Fotos? Er oder sie muss, je nach Ausrichtung des Blogs nicht unbedingt persönlich zu sehen sein, darum geht es nicht per se. So steht ja bei Foodbloggern beispielsweise das Essen klar im Vordergrund. Was die Bilder brauchen, das ist eine persönliche Note, ein Stil, der sich durch den Blog zieht, auch wenn sich dieser selbstverständlich weiter entwickeln darf oder sogar sollte.

 

Reichweite und Interaktion

Das Thema Reichweite ist ein sehr kritisches, denn die echten Zahlen, sind oftmals schwer zu erfassen. Will man es sich leicht machen, so wirft man einen schnellen Blick auf die Zahl der Insta- und Facebook-Follower. Aber geht das so einfach? Funktoniert diese Rechnung: viele Follower = guter Blog? Die Antwort ist ein ganz klares „nein“. Mittlerweile wissen wir ja, dass es genug Apps gibt, mit denen man sich Follower kaufen kann. Zudem bedeuten viele Follower im Allgemeinen nicht, dass diese aktiv den Blog verfolgen. Jeder kennt doch beispielsweise diese Facebook-Seiten, die zwar 10.000 Fans haben, aber unter jedem Post nur 5-10 Likes. So kenne ich auch einen Blogger, der den einen Tag noch 9000 Follower auf Facebook hatte, am nächsten dann plötzlich 14.000. Auf dieser Zahl Zahl (plus ein paar hundert) verweilt er nun aber seit einem Jahr. Da kann ja irgendwas nicht stimmen. Viel wichtiger ist es also, dass auch Interaktion stattfindet, dass es Likes gibt, aber auch relevante Kommentare, welche zeigen, dass da auch wirklich jemand mitliest, dass es echte Follower gibt.

Zudem wären da noch diese sogenannten Instagram-Blogger, welche zwar bei Instagram super ankommen, die aber kaum Klicks auf ihren Blog haben. Wer hier Werbung macht, kann aber ganz schnell eine bittere Enttäuschung erleben. Man kann auf Instagram keine Links setzen und somit ist das Bewerben des Produkts nur von kurzer Dauer. Geht der Instagram-Post irgendwann nach unten, weil er nicht mehr aktuell ist, wird das Produkt in diesem Insta-Feed bald in Vergessenheit geraten. Bei einem Blog dagegen bleibt der Link bestehen, auch noch nach Jahren.

Tipp für die PR-Branche: achtet auf keinen Fall nur auf reine Zahlen, da diese wenig aussagen. Es gibt so viele Fake-Zahlen – lasst euch von diesen bitte nicht täuschen. Checkt auf den sozialen Netzerken, ob auch die einzelnen Beiträge so oft geliked und kommentiert werden, dass es ein schlüssiges Bild gibt, das im Verhältnis zur Follower-Zahl steht. So kann ein Blogger mit nur 500 Followern auf Fabebook, welche aber fleißig kommentieren, euch viel mehr bringen, als ein solcher mit 5000, auf dessen Seite einfach nichts passiert. Lasst euch zudem ein Mediakit zukommen, in dem der Blogger seine genaue Reichweite angibt, also auch wie viele Personen monatlich auf seinen Blog klicken (unique visitors) und wie viele Seitenklicks er insgesamt hat.

Und würden diese simplen Zahlen nicht als so wichtig erachtet werden für den Erfolg und das Geldverdienen, dann hätte das auch den Effekt das das Schummeln aufhören könnte. Win win!

 

Klicks auf die Firmen-Seite

Natürlich erhoffen sich Firmen, dass nach der Veröffentlichung des Artikels möglichst oft auf ihre Webseite geklickt und das beworbene Produkt so oft wie möglich gekauft wird. Klar, das ist verständlich. Doch sollte man auch bedenken, dass je nach Zielgruppe und Produkt, Käufe nicht immer unbedacht und mit sofortiger Wirkung getätigt werden. Und somit lässt sich die Werbewirkung eines Artikels auch leider nicht immer direkt messen. Ich selbst würde beispielsweise ein Produkt, besonders wenn es einiges kostet, nie direkt kaufen, nachdem ich auf den Link klicke und es mir ansehe. Wenn ich jedoch einen spannenden Artikel gelesen habe, in dem es mir empfohlen wird, so bleibt es haften und ich kaufe es vielleicht später, wenn das Thema für mich wieder relevant wird. Gerade bei dem Thema Reisen zum Bespiel ist das der Fall. So schreibe ich beispielsweise die Namen von Hotels, über die ich lese, und die für mich in Frage kommen, oft auf Papier auf. Ich gucke sie mir dann später noch einmal im Internet an, wenn eine Reise dorthin konkret in Planung steht. Ähnlich verhält es sich mit elektronischen Geräten oder hochwertiger Kosmetik bei mir.

Tipp für die PR-Branche: versteift euch auch hier nicht zu sehr auf die reinen Zahlen. Eine Kooperation ist nicht nur dann erfolgreich, wenn es eine bestimmt Anzahl an Klicks auf eure Seite gibt. Klar, man möchte Messwerte haben und an solchen Zahlen kann man sich festhalten. Jedoch kann ein gut geschriebener und oft gelesener Artikel auch zu späteren Käufen führen, die dann aber nicht mehr über die Webseite laufen, über welche man ursprünglich von dem Produkt erfahren hat. Ja, das könnt ihr nicht in Statistiken ablesen, aber nochmal ja, es kann trotzdem funktionieren. Bei Plaketen zum Beispiel kann auch niemand sagen, welches Plaket es letztendlich war, das zu den vielen Mehrkäufen geführt hat – das an Bushaltestelle X oder Y. Trotzdem scheinen Plakate ja weiterhin zu funktionieren, auch wenn der Kauf hier nicht über einen schnellen Klick läuft. Was ich damit sagen will – ein guter Artikel bleibt nachhaltig haften und lange im Kopf und taucht durchaus nach Wochen, Monaten oder sogar Jahren im Gedächtnis wieder auf und führt zu einem positiven Bild der Marke. Kontrolliert werden kann das jedoch nicht. Traut eurem Blogger einfach, wenn ihr meint, dass er zu eurer Marke passt.

 

Interessanter Artikel zu dem Thema:

Journelles: Die bekannte Bloggerin Jessie Weiß spricht über 10 Jahre Bloggen und was sie für besonders wichtig hält

 

Und nun will ich unbedingt eure Meinug wissen, ganz egal, ob ihr selbst Blogger, Blog-Leser, PR-Leute oder etwas ganz anderes seid. Wie seht ihr das mit den gelungenen Blog-Kooperationen?

 

 

6 Kommentare

  1. Tolle Tipps, danke Dir & lg aus London!
    xx finja | http://www.effcaa.com

  2. Hey Katharina, klasse geschrieben und zusammengefasst! Ich stehe auf beiden Seiten. Bin zum einen selbstständige PR-Frau (und das schon ziemlich lange) und zum anderen (noch nicht so lange) leidenschaftliche Bloggerin. Daher glaube ich fest daran, dass sich die von dir beschriebenen Aspekte Qualität und Authentizität am Ende durchsetzen. Mit solchen potentiellen Kooperationspartnern macht die Zusammenarbeit bestimmt auch am meisten Spaß 😄
    LG, Simone

    • Simone, danke dir :-). Das ist spannend auch mal die Meinung zu lesen, von jemandem der auf beiden Seiten steht. Viele liebe Grüße aus Düsseldorf

  3. Hallo Katharina, super spannender und informativer Artikel, danke fürs zusammenfassen 😊 Ich stehe selbst mit meinem Blog noch ganz am Anfang, und solche Themen sind natürlich immer sehr spannend. Mir gefällt auch wie du schreibst und insgesamt ein toller aufschlussreicher Post! 🙂
    Ganz liebe Grüße, Hannah

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