Blogger-Leben in Zeiten von Corona

Und plötzlich war da Corona. Dieser Virus, den ich zunächst nicht so richtig ernst nehmen wollte, hat plötzlich unser aller Leben durcheinander gewirbelt. Gerade war ich auf eines der A-ROSA Flusskreuzfahrtschiffe gestiegen, auf denen ich bis Ende Juli unterrichten sollte, da musste ich auch schon wieder absteigen und zurück nach Hause kehren. Unterrichten, das geht momentan nicht, mit einem Kreuzfahrtschiff herum fahren natürlich schonmal gar nicht.

Und auch ein Reiseblog ist in dieser Zeit nicht das, was die Mehrheit der Menschen lesen will – verständlicherweise. Mein Arbeitsleben wurde durch Corona also sehr beeinflusst und größtenteils stillgelegt. Trotzdem empfinde ich durchaus auch positives, da ich gerade erstmals seit langem zur Ruhe komme und in den leeren Straßen Kölns Orte entdecke, die ich zuvor, wie auch immer mir das möglich war, übersehen habe. Doch davon, was in mir in den letzten Wochen vor sich geht, möchte ich euch bald in einem gesonderten Artikel berichten. Für diesen Beitrag will ich andere Bloggerinnen sprechen lassen, die in verschiedenen Teilen der Weilt wohnen. Ich habe Andrea von Andysparkles interviewt, die in Berlin wohnt sowie Lisa von BlondieBrownieSis aus Graz in Österreich,und Ellie von Thetravelstylesleep aus Athen, Griechenland. Sie alle erzählen davon, wie es ist, in ihrem Heimatland in der Isolation zu leben und wie es ihr persönliches sowie ihr Arbeitsleben beeinflusst.

Interview Ellie – Athen

Name: Ellie

Alter: 32

Wohnort: Athen

Instagram: Thetravelstylesleep

Seit wann hast du Corona als ernsthaftes Thema in Griechenland und als Bedrohung wahrgenommen?

Am 26. Februar gab es den ersten Fall in Thessaloniki. Eine Frau war aus Mailand züruckgekommen. Ein paar Tage später gab es viele Falle in Peloponnes.  Mehr als 50 Touristen waren nach Israel und Ägypten gereist. Nach ihrer Heimkehr nach Griechenland war bei ihnen 21 Covid-19 festgestellt worden. Nach zwei Wochen gab es viele Falle in Athen. Als erstes wurden alle Schulen in Griechenland ab 11. März geschlossen und ab dann nahmen wir Coronavirus als Bedrohung war.

Welche Massnahmen/Regeln hat Griechenland eingeführt und wie schränkt es das Leben ein?

Unsere Regierung traf die ersten Maßnamhen sehr früh. Ab dem 14. Μärz wurden viele Geschäfte und Unternehmen geschloßen. Ab dem 23. wurden dann auch unsere Landesgrenzen geschlossen. Seit dem 23.3 ist auch unsere Bewegung viel stärker eingeschränkt. Wir bekommen €150 Bußgeld wenn wir uns ohne Grund bewegen und seit einer Woche können wir nicht in andere Städte oder Regionen fahren. Zum Glück wird auf die arbeitende Bevölkerung Rücksicht genommen. Niemand wird gefeuert und alle, die jetzt nicht arbeiten wegen die Schliessung der Betriebe bekommen eine Zulage.

Was ist deine Arbeit? Ist sie auch von den Massnahmen betroffen?

 Ich bin Grundschullehrerin und Fashion-, Reise- und Lifestyle-Bloggerin auf www.thetravelstylesleep.com. Als Lehrerin arbeite ich jetzt online. Glücklicherweise hat das Ministerium eine schnelle Online-Plattform aufgebaut und wir können Unterricht geben. Zum Glück ist auch mein Gehalt nicht gesunken. Als Bloggerin ist es schwieriger. Vor der Ausgangssperre hatte ich einige Kooperationen abgeschlossen und wegen der Situation sind fast alle auf Eis gelegt. Trotzdem beschäftige ich weiterhin damit und beschäftige mich mehr mit meinem #bodypositivitygreece #bodypositivegreece @hyphyhip @thetravelstylesleep Movement. Die Leute warden dadurch ermutigt und das finde ich toll!

Wie verbringst du aktuell deine Zeit? Machst du Dinge, die du sonst nicht gemacht hast?

Die ersten Tage war es sehr schwierig für mich, besonders in meinem Apartment allein zu bleiben. Ich war daran gewöhnt, den ganzen Tag aussserhalb des Hauses zu verbringen.  Ich wusste, dass diese Situation lange dauern würde. Also traf ich nach 10 Tagen die Entscheidung, in mein Elternhaus in der Natur umzuziehen. Hier ist alles besser. Ich kann in unserem Hof meinen Kaffee trinken und Sport machen. Ich versuche positiv zu sein und meine Zeit produktiv zu verbrigen, so wie früher. Was sich allerdings sehr geändert hat, ist dass ich jetzt jeden Tag koche.

Was denkst du wie die Zeit nach Corona aussehen wird? Wird sich in deinem persönlichen Leben etwas ändern?

Ich möchte hier über meine Heimat sprechen. Ich glaube, dass diese Situation sehr effektiv für uns im Arbeitsbereich sein wird. Hier arbeitet fast niemand von zu Hause. Jetzt alle! Ich glaube nach Corona ermöglichen es die Unternehmen dem Mitarbeiter, weiterhin von zu Hause zu arbeiten einige Tage pro Woche. Hoffentlich wird es nicht mehr so viel Verkehr auf den Straßen geben und wir werden saubere Luft atmen in Athen! Aber warscheinlich gibt es eine Wirtschaftskrise, weil wir hauptsächlich ein touristisches Land sind. In meinem Leben werden meine Blutwerte sich verbessern, weil ich jetzt Zeit habe, gesünder zu essen und mehr Sport zu treiben! Ich schicke euch meine Liebe aus Griechenland! Ich hoffe, wir alle nutzten unsere  Zeit kreativ, um uns zu verbessern und natürlich #stayathome und bleibt gesund!

Ellie im Zentrum von Athen, das wegen Corona leer ist

Interview Lisa – Graz

Name: Lisa
Alter:
26
Wohnort:
Graz, Österreich

Instagram: Blondiebrownie.sis (zusammen mit ihrer Schwester Carina)

Seit wann hast du Corona als ernsthaftes Thema in Österreich (insbesondere auch in Graz) und als Bedrohung wahrgenommen?


Ab 10.03. wurden die österreichischen Universitäten und Hochschulen geschlossen, seit diesem Tag habe ich Corona als ernstzunehmend wahrgenommen. Am 13.03., nach der ersten Maßnahmenverkündung von Bundeskanzler Sebastian Kurz, war klar, dass von dem Virus eine Gefahr für uns alle ausgeht.


Welche Massnahmen/Regeln hat Österreich eingeführt und wie schränkt es das Leben ein?


10.03. Schließung aller Universitäten und Hochschulen. Am 16.03. dann Schließung der Schulen und aller nicht systemrelevanten Handelsbetriebe und Dienstleister, außer Restaurants. In Büros etc. soll wenn möglich auf Homeoffice umgestellt werden.
16.03. Ausgangsbeschränkungen für ganz Österreich. Das Haus/die Wohnung soll nur mehr aus 4 Gründen verlassen werden. Um zur Arbeit zu fahren, um einzukaufen, um anderen zu helfen, die Hilfe benötigen und um Luft zu schnappen oder kurz Sport zu machen mit einem Mindestabstand von 1m. Personen die nicht im selben Haushalt leben, dürfen nicht gemeinsam spazieren gehen etc. Ab dem 16.03. wurden außerdem einige besonders stark betroffene Regionen unter Quarantäne gestellt. Diese Gebiete dürfen/durften (teilweise inzwischen wieder aufgehoben) von niemandem betreten oder verlassen werden. Dazu zählen/zählten das Paznauntal, St. Anton am Arlberg, Sölden, Flachau, Altenmarkt im Pongau, Zell am See und das Gasteinertal, sowie zeitweise das gesamte Bundesland Tirol.


17.03. Schließung aller Restaurants inkl. Speisenabholung
06.04. Maskenpflicht in Supermärkten


All diese Maßnahmen ausgenommen die Speisenabholung sind bis heute in Kraft und sollen ab nächsten Montag (14.04.) gelockert werden. Dann dürfen auch wieder kleinere Geschäfte (unter 400m2) und Baumärkte öffnen. Das normale Leben wurde damit sehr stark eingeschränkt, da all diese Maßnahmen natürlich unser aller Leben beeinflussen, dann das findet jetzt zu 95% zu Hause statt.

Dennoch habe ich mich bisher noch nicht eingesperrt gefühlt und versucht die Lage positiv zu sehen und all die Dinge, die man sonst so oft aufschiebt erledigt. Wie zum Beispiel der Frühjahrsputz oder das Sortieren und Löschen von Fotos und Videos am Handy etc. Zur Zeit sind für mich, meine Familie und Freunde, die Maßnahmen zwar beschränkend aber durchaus erträglich. Wenn man doch mal die Wohnung verlässt um einen kurzen Spaziergang zu machen sind die Straßen wie leer gefegt und wenn man doch mal jemandem begegnet, lachen einem keine freundlichen Gesichter entgegen, sondern Menschen die Schutzmasken tragen.

Was ist deine Arbeit? Ist sie auch von den Massnahmen betroffen?

Da ich studiere beeinflusst mich die Schließung der Universität natürlich. Auch die Bibliotheken sind geschlossen, weshalb es sehr schwierig ist zu Literatur für meine Masterarbeit zu kommen. Auch die Kommunikation mit Lehrpersonen ist teilweise erschwert und oft ist seitens der Universität auch nicht sofort eine Lösung parat.

Corona Blogger
Lisa in Graz

Wie verbringst du aktuell deine Zeit? Machst du Dinge, die du sonst nicht gemacht hast?

Ich verbringe nun viel mehr Zeit auf Instagram und nehme mir Zeit für Dinge, die ich sonst aufgeschoben habe. Tatsächlich habe ich seit Jahren zum ersten Mal auch wieder Briefe zu Ostern verschickt.


Was denkst du wie die Zeit nach Corona aussehen wird? Wird sich in deinem persönlichen Leben etwas ändern?


Das Gesellschaftsleben wird sich, glaube ich, erst sehr sehr langsam wieder normalisieren. Reisen werden vermutlich erst mal nur im eigenen Land möglich sein und wir alle werden noch lange eingeschränkt sein, auch ohne offizielle Ausgangsbeschränkungen. Ein Urlaub in Italien, Frankreich, Spanien oder der USA ist im nächsten Jahr ziemlich sicher nicht möglich. Da Reisen eines meiner liebsten Hobbys ist, ändert sich meine Urlaubsgestaltung natürlich sehr. Auch wird es bei dieser Wirtschaftslage wahrscheinlich nicht leicht sein, einen Job nach meinem Abschluss zu finden.

Interview Andrea – Berlin

Name: Andrea Funk

Alter: 32

Wohnort: Berlin

Instagram: Andysparkles

Seit wann hast du Corona als ernsthaftes Thema in Deutschland, besonders auch in Berlin, und als Bedrohung wahrgenommen?

Ziemlich spät, so richtig erst am 12. März. Da war ich beim letzten Bloggerevent, bevor das öffentliche Leben lahmgelegt wurde. Bei dem Event herrschte wirklich angespannte Stimmung und wir waren alle noch überrascht, wie voll das Restaurant trotz der News war. Ab dem nächsten Tag, Freitag dem 13. passenderweise, war dann nichts mehr wie vorher und wir haben nun wirklich alle den Ernst der Lage erkannt.

Welche Massnahmen/Regeln hat Berlin eingeführt und wie schränkt es das Leben ein?

Wir haben eine Kontaktsperre. Draußen dürfen wir uns noch bewegen, doch wer den Abstand nicht einhält oder im Park verweilt, wird vom Ordnungsamt oder der Polizei gewarnt und muss mit Bußgeldern rechnen. Im Supermarkt wird erst desinfiziert, Einlass nur mit Einkaufswagen und die meisten Geschäfte außer Supermarkt, Post, Bank, Apotheken bleiben geschlossen.

Du hast auf deinem Blog bereits öfter darüber geschrieben, dass du lange schon mit Depressionen zu kämpfen hast. Ist es in der aktuellen Lage schlimmer? Was denkst du, wie psychisch Erkrankte am besten mit der Situation umgehen können?

Anfangs war es für mich sehr schlimm. Die Momente der Einsamkeit, die ich sonst versuche zu vermeiden, haben natürlich sehr stark zugenommen. Das sind Gefühle von schlechter Laune und Hoffnungslosigkeit in einem ganz merkwürdigen Ausmaß, die ich sonst nicht so intensiv empfinde. Mittlerweile, Anfang April, hat eine neue Routine meinen Alltag übernommen und ich komme etwas besser klar. Ich beschäftige mich sehr viel mit liegen gebliebenen Projekten, setze mir ganz viele Ziele und sehe auch weiterhin öfters Freunde, die mich besuchen oder ich sie. Sonst würde ich total eingehen, wenn ich immer nur alleine Zuhause wäre. Spazieren gehen und täglicher Sport hilft mir ganz enorm, ebenso wie Meditation.

Blogger Corona Zeit
Andrea von Andysparkles

Wie verbringst du aktuell deine Zeit? Machst du Dinge, die du sonst nicht gemacht hast?

Ich war definitiv nicht spazieren oder habe so viele Home Workouts gemacht. Meine Wohnung ist blitzblank, ich arbeite sehr viel auf, was liegen geblieben war in meinem sonst so hektischen Alltag.

Was denkst du wie die Zeit nach Corona aussehen wird? Wird sich in deinem persönlichen Leben etwas ändern?

Ich denke es dauert noch eine ganze Weile, bis das Leben wieder wie früher wird. Große Veranstaltungen können wir bestimmt erstmal vergessen. Fraglich ist auch, wie es sich auf das Reisen auswirken wird. Ich hatte mich auch selbstständig gemacht, um dann vermehrt zu reisen. Doch wie realistisch ist das jetzt?

Ein Kommentar

  1. Das war super spannend auch von den anderen zu lesen! Danke dir nochmal für das tolle Interview und diesen Beitrag.

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