Couchsurfing: Eine ganz besondere Erfahrung

Eine ganz andere Art zu reisen: Couchsurfing. Schon viel darüber gehört und gelesen, aber selbst nie ausprobiert – so verhält es sich mit Couchsurfing und mir. Ganz anders sieht das bei Johanna aus, die erfahrene Cochsurferin ist. Sie war schon oft Gast sowie auch Host und erzählt uns hier von ihren tollsten Erfahrungen und erklärt uns das Prinzip des Cochsurfens.

Couchsurfing : eine ganz besondere Erfahrung

Wer an Reisen denkt, der denkt meistens an Hotelzimmer oder Ferienwohnungen. Als Tourist erkundet man dann fremde Städte und Gegenden – meist auf der Suche, nach der „wahren Seele“ dieser Orte. Man möchte die Geheimtipps, die Insider, die Sichtweise der Einheimischen kennenlernen. Es gibt eine Art zu reisen, die dies hautnah ermöglicht: Couchsurfing.

Was ist Couchsurfing?

Couchsurfing ist eine internationale Plattform Couchsurfing, auf der man sich ein Profil anlegen kann. Damit kann man sowohl Gastgeber sein, als auch nach einer Unterkunft fragen. Es wird genau angegeben, wie die „Couch“ aussieht – mal ist es wirklich nur eine Couch, mal ein ganzes Gästezimmer oder mehr. Die Grundlage der Übernachtungsmöglichkeiten ist immer völlige Kostenfreiheit. Das heißt, das System funktioniert nur aufgrund von Gegenseitigkeit, Austausch und freundlichen Menschen.

Sowohl für Gastgeber als auch Gäste gibt es die Möglichkeit, Bewertungen und Kommentare zu hinterlassen. Auf diese Weise werden schwarze Schafe schnell aussortiert bzw. man kann sich schützen, indem man nur mit Menschen couchsurft, die schon viele positive Meinungen gesammelt haben und deren Profil schon länger besteht.

Aber Couchsurfing ist viel mehr als nur Übernachten. Auch in der eigenen Stadt gibt es immer eine Community an Couchsurfern. Das sind offene, an Austausch und Gesellschaft interessierte Leute, die sich regelmäßig zu verschiedensten Aktivitäten treffen. Auf diese Weise kann man sich auch erst einmal umsehen, ohne gleich jemanden zu beherbergen oder selbst bei fremden Menschen zu übernachten. Wer die Mentalität der Couchsurfer einmal kennengelernt hat, der wird mit weitaus weniger Skepsis an eine mögliche Reise herangehen.

Meine persönliche Erfahrung mit Couchsurfing

Couchsurfing: Mit Menschen in Kontakt kommen

2008, „damals“ war ich 23 Jahre alt, ging ich in den Semesterferien als Aupair nach England. Nach Leeds, um genau zu sein. Weil ich dort keine Menschenseele kannte, suchte ich schon vorab im Internet nach Möglichkeiten, Leute in meinem Alter kennenzulernen. Bei dieser Suche stieß ich auf die Seite von Couchsurfing. Ich schrieb ein paar Usern, die mir nett erschienen und gute Bewertungen hatten. Auf diese Weise lernte ich Sandy kennen. Sandy war etwas älter als ich und stammt aus Indien. Er lebte seit mehreren Jahren in Großbritannien und kannte Leeds in- und auswendig. Gleich in meiner ersten Woche traf ich mich mit ihm in einer Kneipe und wir verstanden uns auf Anhieb. Ich fühlte mich gleich willkommen in der fremden Stadt und innerhalb der 10 Wochen, die ich dort war, lernte ich viele weitere liebe Menschen kennen. Ich konnte meine Sprachkenntnisse erheblich verbessern und die Stadt und Region wirklich kennenlernen. Mit Sandy verbindet mich bis heute eine tiefe und ehrliche Freundschaft.

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Beim Couchsurfing entstehen Freundschaften für’s Leben.

Couchsurfing; Einen Gastgeber finden

Auch wenn das noch nicht Couchsurfing per se war, hat es mir doch den Grundgedanken der Plattform nahe gebracht: teilen und gemeinsam Zeit verbringen, auch wenn man sich (noch) nicht kennt und niemand dafür bezahlt wird. Einige Wochen später reiste ich mit einem Freund in den Lake District National Park im Norden Englands. Sandy empfahl uns, bei einem seiner Couchsurfing-Freunde zu bleiben: Tony. Tony nahm uns gerne bei sich auf und als Gastgeber war er wirklich unfassbar. Er kochte für uns, unterhielt uns mit interessanten Geschichten, Anekdoten und Diskussionen und wanderte täglich mehrere Stunden mit uns. Weil wir denkbar schlecht ausgerüstet waren und es eigentlich immer regnete, kleidete er uns von Kopf bis Fuß mit wetterfester Outdoor-Kleidung aus seinem eigenen Bestand ein. Er bestand darauf, unser Essen zu bezahlen und uns auch sonst alles so komfortabel wie möglich zu gestalten. So etwas hatte ich noch nicht erlebt, vor allem nicht von einem Fremden.

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Johanna zu Gast bei Sandy, ihrem Couchsurfing-Host und mittlerweile sehr gutem Freund.

Nach diesen Tagen stand für mich fest: Couchsurfing ist, auch und vor allem, wenn man alleine reist, viel mehr als eine kostenlose Übernachtungsmöglichkeit. Menschen, die mit Couchsurfing reisen oder ihr Gästezimmer zur Verfügung stellen, sind Teil einer globalen Community, die sich von Profit und Isolation frei machen.

Couchsurfing: Gastgeber sein

In den folgenden Jahren haben meine Studenten-WG und ich auch zahlreiche Couchsurfer bei uns aufgenommen und ähnlich zuvorkommend behandelt. Wer jetzt nur an nervige Untermieter denkt, der übersieht, wie viel Farbe diese Gäste in unser Leben gebracht haben. Ohne das Haus zu verlassen hörten wir Geschichten aus den verschiedensten Ländern, konnten vergleichen, fragen, staunen, wie Dinge in Venezuela, Australien, Brasilien oder den USA gehandhabt werden. Wir lernten andere Mentalitäten kennen, hatten Gelegenheit, unsere eigene Denkweise zu reflektieren. Und ganz nebenbei lernten wir fabelhafte, charakterstarke Menschen kennen, mit denen wir teilweise bis heute in Kontakt sind.

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Beim Couchsurfing in Leeds, England- ein Ort, in dem Johanna vorher keine Menschenseele kannte.

Couchsurfing :Probiert es aus!

Meiner Meinung nach isolieren wir uns, egal ob auf Reisen oder zu Hause, immer mehr von anderen Menschen. Wir haben digitale Stadtpläne und vorab gebuchte Reisen – brauchen auf der Straße niemanden mehr nach dem Weg oder einem guten Restaurant zu fragen. Couchsurfer möchten diese Isolation nicht. Sie wollen gesellige Abende auf der Couch oder im Pub um die Ecke, sie wollen Menschen treffen und sich austauschen. Zusammen kochen, zusammen ins Kino gehen, zusammen lachen. Und das Ganze wollen sie, ohne dass Geld fließt. Die Motivation, sich an der Community zu beteiligen, ist eine ganz andere.

Deshalb mein Tipp: wenn ihr die Möglichkeit habt, probiert es mal! Man weiß nie, ob man Gefallen an etwas findet, wenn man es nicht versucht. Es ist ein Leichtes, sich vor möglichem Missbrauch zu schützen und die positive Erfahrung, die ihr dabei macht, werdet ihr nicht missen wollen.

Couchsurfing – Autorenprofil

Ich bin Hanna, 31 Jahre alt und lebe in Berlin. Vor meiner Schwangerschaft bin ich viel und gerne gereist, ich empfinde es als Bereicherung und sehr lehrreich. Seit Mitte 2015 bin ich überwiegend Mama und halte unser Familienleben in unserem Familienblog Rubbelbatz fest. Außerdem schreibe ich auf Sonnengeflecht über viele Themen rund um Gesundheit.

Go Social:

Den Familienblog Rubbelbatz findet ihr auch auf Facebook und Instagram.

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3 Kommentare

  1. Toller Beitrag! Ich bin am überlegen, mich auch mal am Couchsurfen zu versuchen, aber zögere noch. Ich habe schon einiges von Couchsurfing als Datingportal usw gelesen, also werde ich zunächst mal versuchen bei weiblichen Hosts unterzukommen 🙂

  2. Ein ganz toller Beitrag. Couchsurfing wird immer häufiger genutzt, zumal man so auf Reisen Geld einsparen kann und viele liebe Menschen kennen lernen kann.

  3. Werde dieses Jahr allein nach Indonesien reisen und werde wohl Couchsurfing in Anspruch nehmen müssen. Das erste mal. Danke für´s Erfahrungsbericht, bin jetzt schon sehr aufgeregt.

    Lg Kai

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