Meine Tunesienliebe

Ich stehe am Flughafen in Frankfurt. Von hier aus starten Flieger in alle Welt, die mich zum Beispiel nach China bringen könnten, nach Kuba, auf die Kanaren, ins ferne Neuseeland oder auch einfach nach Paris. Doch mein Ziel heißt Tunesien, schon seit Jahren immer wieder, und ich könnte mich gerade auf keinen anderen Ort auf der Welt mehr freuen.

Tunesien und ich, wir sind seit knapp drei Jahren in inniger Liebe miteinander verbunden. Im Frühjahr 2018 bin ich das erste Mal für eine Pressereise in das Nordafrikanische Land gekommen. Ich hatte damals die Mövenpick-Hotels besucht und zudem an einer Inselreise nach Kerkennah und Djerba, organisiert von Andrea Philippi vom Fremdenverkehrsamt, teilgenommen. Und was soll ich sagen: Die Schönheit und spezielle Atmosphäre des Landes nahmen mich sofort gefangen. Dabei hatten Tunesien und ich, ganz ursprünglich, sogar mal einen ziemlich schlechten Start.

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Heute fühle ich mich in Tunesien sichtlich wohl, doch das war nicht immer so

Das allererste Mal besuchte ich das Land nämlich bereits 2004, zusammen mit meinem damaligen Freund. Wir wollten Europa beide erstmals für einen Urlaub verlassen, aber nicht zu viel Geld bezahlen und so landeten wir mehr oder weniger zufällig bei einem All-Inclusive-Angebot für Hammamet Yasmine, einem damals gerade neu aufgebauten Touristenort am Meer. Doch die Bedingungen unserer Reise waren einfach schlecht: ein kalter März, ein nicht mal mittelmäßiges Hotel und ein Boyfriend, der lieber am Pool süße Cocktails trinken, als Tunesien kennenlernen wollte, hinterließen bei mir keinen wirklich guten Eindruck vom Land.

Umso glücklicher bin ich heute, dass Tunesien und ich eine neue Chance bekommen haben und 2018 aus dem angeknacksten Verhältnis eine heiße Liebe wurde. Seitdem war ich fünf weitere Male dort, fast jedes Mal in Gruppenreisen mit Andrea, und habe „La Tunisie“ (der französische Name Tunesiens) immer intensiver kennen- und immer mehr liebengelernt. Tunis, die Hauptstadt zählt mittlerweile zu meinen Lieblingsstädten weltweit: Sobald ich dort durch die Gassen der Medina laufe, oder aber die breite geschäftige Avenue de France in Downtown entlang, überkommt mich ein warmes Gefühl, das ich in solcher Intensität selten spüre.

medina tunesien
In den Gassen der Medina fühle ich mich auf besondere Art fast zu Hause

Genauso empfinde ich jedes Mal, wenn wir mit dem Bus oder Jeep von Tunis in den Süden aufbrechen und ich sehen kann, wie die Landschaft am Straßenrand sich langsam verändert: Zunächst noch recht grün und saftig, wird sie immer bräunlicher und karger, bis sie nach einigen Stunden Fahrt in Wüste übergeht.

Dass die Wüste mein Happy Place ist, das weiß ich eigentlich schon seitdem ich das erste Mal im Tunesischen Süden war, ganz sicher und mit absoluter Überzeugung aber seit Oktober diesen Jahres. Anlässlich des Ultra Mirage (ein Ultra-Marathon in der Sahara) bin ich zusammen mit Andrea und einer Pressereisegruppe nach Tozeur aufgebrochen. Selbst bin ich keine Läuferin, doch hatten wir vier laufene Teilnehmer in unserer Gruppe, so dass ich am Lauftag absolut mit ihnen mitgefiebert und mich der Wüste plötzlich noch verbundener als zuvor gefühlt habe.

tunesien sahara
Die Wüste, mein Happy Place

Als unsere vier Läuferinnen und Läufer zusammen mit zahlreichen anderen Teilnehmern, morgens um sechs Uhr noch während der Dämmerung, an einer ehemaligen Star Wars Kulisse, ihren 100km-Lauf starten, bin ich aufgeregt wie lange nicht.

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Start und Ende des Laufes ist hier
Auch die Einheimischen verfolgen den Lauf

Und als wir danach noch mit einem unserer Jeeps die Laufstrecke quer durch die Wüste abfahren und zwischendurch immer wieder anhalten, um auf die Laufenden zu warten und sie anzufeuern, empfinde ich eine innere Wärme, wie ich sie lange nicht gespürt habe. Die beeindruckende Landschaft der Sahara, gepaart mit dem Adrenalin, welches mein Körper offensichtlich allein durch das Zusehen ausschüttet, rufen in mir ganz besondere Gefühle hervor: eine Liebe für diese Situation, aber auch für die Region, das Land, die Gesamtheit, die mir dieses Erlebnis ermöglicht.

Es hätte kaum noch perfekter für mich werden können, doch dann gewinnt Judith Havers die 100km als schnellste Frau und Robin Siegert ist fünftschnellster Mann, und somit der schnellste nicht-afrikanische männliche Läufer. Hätte mir jemand eine Woche vorher gesagt, dass ich größeres Glück empfinde durch die erfolgreichen 100km-Läufe meiner Mitreisenden, als durch viele meiner eigenen bisher erreichten Erfolge, so hätte ich vielleicht nur müde gelächelt. Doch Tunesien macht es möglich, die besondere Atmosphäre der Wüste und die Wirkung, die sie auf mich hat.

So bleibt mir nur zu hoffen, dass die aktuelle schwierige Weltlage sich bald wieder erholt, das leider ohnehin schon wirtschaftlich gebeutelte Tunesien tapfer durchhält und sich bald wieder uneingeschränkt dem Tourismus öffnen kann. Dann werde ich zurückkehren, durch die Gassen von Tunis schlendern, die blau-weißen malerischen Häuser in Sidi Bou Said bewundern, am Strand von Hammamet spazieren gehen, über die Mäkte von Tozeur flanieren und Kamele in der Sahara beobachten. I can’t wait!

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Wollt ihr noch mehr über die Tunesische Wüste und den dortigen Ultra-Marathon lesen? Dann schaut mal in die Artikel meiner Mitreisenden:

Reisezeilen: Ultra Mirage El Djerid

Runnersfinest: Ultra Mirage 2020

Running Happy: Abenteuer in der Wüste

Weitere Bildimpressionen (Fotos aus Tunesien 2020)

Tunis Tunesien
Große Liebe: Blick über die Dächer von Tunis
Das Glück steht mir ins Gesicht geschrieben
tunesien palast hammamet
Ein Palast in Hammamet: Auch die Architektur Tunesiens verehre ich
Und die Kunst…
Sidi Bou Said ist für mich einer der schönsten kleinen Orte auf Erden
Tunesien sahara
Und dann diese Wüsten-Liebe
Die Ressourcen der Wüste

Abermals danke ich Andrea Philippi vom Fremdenverkehrsamt Tunesien für die Einladung zu dieser Pressereise sowie die wahnsinnig gute Organisation (sogar unter verschärften Bedingungen durch Covid.

Ein Kommentar

  1. Ich hab bei dir schon so viel Schönes über Tunesien gesehen und gelesen! Habe auch richtig Lust gemacht, dort mal Urlaub zu machen.

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