Balinesische Kultur – zwischen Lächeln und strengen Regeln

Wer Infos über Bali sucht, wird diese finden. Jedoch primär zu den schönsten Sehenswürdigkeiten, den besten Hotels, Local Food und ein bisschen zu den einheimischen Traditionen. Denn die indonesische Insel ist seit vielen Jahren ein beliebter Touristenspot, schon lange nicht mehr nur für Australier, sondern auch wir Deutschen haben sie für uns entdeckt. Dreimal war ich bisher dort – vor Coronazeiten, in den Jahren 2015, 2016 und 2017. Und sofort mochte ich Bali, denn die Insel versprüht eine Atmosphäre der Leichtigkeit, die Locals begegnen fast jedem mit einem Lächeln, und auch als Frau kann man dort recht problemlos allein unterwegs sein.

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Doch die balinesische Kultur ist so vielschichtig, dass sich vieles einem erst einmal nicht erschließt. Als Tourist sieht man eine Fassade, gepaart mit dem, was man von der Kultur sehen soll, was also bewusst als Touristenattraktionen gezeigt wird. Viele Details habe ich jedoch erst in den letzten vier Jahren verstanden. Seitdem arbeite ich jedes Jahr für einige Monate als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache auf Flusskreuzfahrtschiffen. Dort unterrichte ich die Crew, wie beispielsweise die Kellner, Köche und das Housekeeping-Personal. Ein Großteil der ausländischen Crew dort, also meiner Schüler, kommt von Bali. Zu den Balinesen auf den Schiffen habe ich engere Bindungen aufgebaut, als zu den meisten anderen Nationalitäten dort, unter anderem, weil mich ihre Kultur so fasziniert und interessiert und ich mehr erfahren und lernen wollte. Zum anderen aber auch, weil ich sie als angenehme Schüler und Gesprächspartner empfinde und gerne mit ihnen Zeit verbringe. So habe ich viel gefragt, geredet, beobachtet und Stück für Stück immer mehr über das Leben auf Bali gelernt: auch, dass hinter der Leichtigkeit und dem Lächeln auch einige dunkle Seiten stecken (wie wohl fast überall auf Erden).

Balinesische Kultur – Herzlichkeit

Doch lasst mich zunächst mit einem der positiven Fakten starten. Herzlichkeit wird auf Bali definitiv großgeschrieben. Wohin man auch kommt, fast überall wird einem mit einem Lächeln begegnet. Das habe ich sowohl auf der Insel als Touristin erlebt, als auch als Lehrerin auf den Schiffen. Lächeln, eine Frage nach dem Befinden, ob man schon gegessen hat, wohin man geht – das gehört bei Balinesen einfach dazu. Und ganz egal, ob es einfach Standardfloskeln sind oder ehrliches Interesse, ich mag es so begrüßt zu werden und bekomme automatisch gute Laune. Auch werde ich von meinen Balinesischen Schülern auf den Schiffen immer wieder eingeladen, sei es zu kleinen Parties, mit ihnen zu essen oder einfach sich dazuzusetzen, um zu reden. Viel passiert in den Gesprächen über Witze und Humor, doch wenn es sein muss, kann auch auf die notwendige Ernsthaftigkeit umgeschaltet werden. Zumindest, wenn man sich schon ein bisschen kennt und Vertrauen zueinander gefasst hat.

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Lachende Jungs, die mich mit der Kamera entdecken und Witze machen

Kasten und das Namenssystem

Bali ist eine hinduistische Insel im mehrheitlich muslimischen Indonesien. Dementsprechend gibt es auch hier vier verschiedene Kasten. Während meiner Besuche auf Bali habe ich davon nichts gemerkt, bzw. auch gar nichts gewusst. So viel wusste ich damals noch nicht über die balinesische Kultur. Auch das haben mir erst später meine Schüler erklärt, und zwar, als ich sie zu ihren Namen befragt habe. Denn an den ersten Namen kann man die jeweilige Kastenzugehörigkeit bereits erkennen. Zu der untersten Kaste gehören ungefähr 90% aller Balinesen. Diese tragen, je nachdem als wievieltes Kind sie geboren sind, die Namen Wayan oder Putu (Erstgeborene), Made, Kadek oder Nengah (Zweitgeborene), Nyoman oder Komang (Drittgeborene) und Ketut (Viertgeborene). Dann geht es beim 5. Kind einfach wieder von vorne los. Um zu wissen, ob jemand männlichen oder weiblichen Geschlechts ist, wird einfach ein I oder Ni vor den Namen gesetzt. I Wayan ist also ein Junge, Ni Wayan ein Mädchen. Wenn wir nun aber beispielsweise auf jemanden treffen, der mit erstem Namen Gusti, Agung, Dewa oder Ida heißt, so wissen wir, dass diese Person einer der drei höheren Kasten angehört. Ida Bagus (Männer) und Ida Ayu (Frauen) sind dabei die Personen der höchstgestellten Kaste. Und tatsächlich ist es noch immer so, dass die Balinesen sich nicht „vermischen“. Geheiratet wird innerhalb der Kaste, alles andere ist gesellschaftlich noch immer nicht anerkannt. Natürlich führt ein solches System zu vielen tragischen und heimlichen Liebesgeschichten, denn auch Ida und Wayan können sich nun einmal verlieben – dies öffentlich zu leben ist aber so gut wie unmöglich.

balinesiche kultur priester
Wer zur Kaste der Priester gehört, kann nicht so einfach jemand aus der unteren Kaste heiraten

Balinesche Kultur – Sprache

Indonesien besteht aus zahlreichen Inseln (mehreren tausend). Und auf jeder Insel gibt es eine eigene Sprache, teilweise sogar mehrere. Darum hat man sich auf eine allgemeine Sprache für ganz Indonesien geeinigt, die alle Einwohner, spätestens in der Schule, lernen: Bahasa Indonesia. Man kann vielleicht sagen, dass es sich um eine Art Esperanto für Indonesien handelt, denn die Sprache hat wenig grammatikalische Regeln und ist deswegen verhältnismäßig leicht zu lernen. Auch die Aussprache ist, zumindest für uns Deutsche, nicht sehr schwer. So werden beispielsweise alle Vokale wie bei uns ausgesprochen. Ich persönlich mag die Sprache sehr und würde sie gerne lernen. Einzelne Sätze und Wörter habe ich mir in den letzten Jahren bereits angeeignet. So kann ich beispielsweise sagen: „Nama saya Katharina“ (Ich heiße Katharina) oder „Saya sudah makan.“ (Ich habe schon gegessen).

Balinesich ist jedoch eine komplett andere Sprache als Indonesisch: Auch wenn ich es bisher nicht geschafft habe, den Unterschied im Klang heraus zu hören, wenn meine indonesischen Schüler miteinander sprechen.  Dazu kommt noch, dass je nach Kaste ein anderes Balinesisch gesprochen wird – ein hoch komplexes Sprachsystem also.

Balinesische Kultur – Schattenseiten

Nicht alles, was glänzt ist Gold. Und so gibt es auch im vermeintlichen Paradies Bali so einige Schattenseiten. Die balinesiche Kultur bringt unheimlich viele schöne Dinge mit sich, doch auch weniger schöne. Nach wie vor herrscht auf Bali viel Armut. Fast 40% der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze und durch Corona wird die Zahl wahrscheinlich noch höher geworden sein. Auch Korruption spielt leider eine große Rolle auf der Insel. Was mich persönlich aber am meisten schockiert hat, ist der Fakt, dass Frauen auf Bali kaum Rechte haben. Auch das ist mir als Touristin nicht klar geworden.

Polygamie ist auf Bali gesetzlich nicht verboten und so gibt es immer noch Männer, die mehrere Frauen heiraten. Selbst dann hat die Frau aber fast keine Chance sich scheiden zu lassen. Eine geschiedene Frau ist auf Bali quasi rechtlos. Sie darf ihre Kinder nicht mehr sehen, der gemeinsame Besitz von ihr und dem Mann geht komplett an ihn – eine Scheidung ist eine wahre Katastrophe für die Frau. Auch die Geldverdiener sind, ganz patriachal, fast ausschließlich die Männer. So habe ich auch auf den Schiffen ca. zu 90% balinesiche Männer als Schüler und nur etwa 10% balinesische Frauen. Denn die meisten der Ehefrauen bleiben auf der Insel, in ihren Häusern, wo sie sich um die Kindern kümmern. Im besten Fall um die Söhne, denn diese sind auf Bali auch immer noch mehr wert als die Töchter. Sie sind die Stammeshalter. So hofft jedes Paar darauf, mindestens einen Sohn zu gebären.

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Frauen haben es nicht immer leicht auf Bali

Hier sind noch ein paar Medien-Tipps, um mehr über die dunkle Seite der Balinesichen Kultur zu erfahren:

Dokumentation über Sextourismus auf Bali (männliche Strand-“Gigolos”): Cowboys in Paradise

Balinesische Kultur: Dokumentation über Polygamie auf Bali:

Bitter Honey

Buch über Balis Drogenwelt:

Snowing in Bali

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