Real Talk: Bezness, der Liebesbetrug

“Real Talk” ist eine neue Artikelreihe von mir, in der ich über Themen schreiben werde, die mich wirklich bewegen, über die ich mir viele Gedanken gemacht habe und die ich mit meinen Lesern teilen möchte. Ich will nicht immer nur über die eher oberflächlichen Dinge des Lebens schreiben, schöne Hotels vorstellen oder Einrichtungstipps geben. Zwar möchte ich auch das weiterhin tun, nur eben nicht ausschließlich. Die neue Reihe startet in diesem ersten Teil mit dem Thema Bezness, folgen sollen Themen wie Online-Belästigung und Influencer-Mobbing. Seid gespannt.

real talk bezness
Real Talk: meine Gedanken zu “Papier bringen”

Liebesbetrug “Bezness”

Dass Sextourismus existiert weiß ich schon solange ich denken kann. Seit meiner frühen Jugend habe ich mich bereits mit den verschiedesten Bereichen menschlicher Abgründe beschäftigt. Somit wusste ich, dass es Männer gibt, die nach Südostasien reisen, um dort bezahlten Sex zu haben und Frauen, die eben dieses zum Beispiel in der Karibik oder in Afrika tun. Noch nicht ganz klar war mir jedoch zu dieser Zeit, dass es auch vorgetäuschte Beziehungen und Liebe gibt, um auf diesem Weg an Geld, Besitztümer oder einen Pass zu kommen.

Doch lasst mich diesen Artikel anders starten: Ich selbst habe das Glück in Deutschland geboren zu sein, einem wirtschaftlich starken Land, mit einem deutsche Pass, der sogar zu den stärksten der Welt zählt. Ich kann mich recht gut selbst versorgen, und sollte dies mal phasenweise nicht so gut klappen, dann habe ich immer noch den Staat, der mich auffängt, oder zuächst einmal auch noch meinen Vater. Ich kenne es nur so und ich habe keine Ahnung, was ich machen würde, wäre ich in einem anderen Land geboren, ohne ernsthafte Perspektive, aus dieser Situation herauskommen zu können. So kann ich mir denken, dass manch einer zu vielen Dingen fähig ist, auch zu Lügen und Betrug. Trotzdem ist es absolut keine Entschuldigung – soviel steht fest! Denn die Opfer von Betrügern leiden oft ihr Leben lang, sind traumatisiert und desillusioniert. Im Falle dieses Artikels geht es um Liebesbetrüger. Um Menschen, die Bezness praktizieren: ein Begriff, der sich aus zwei Wörtern “Beziehung” und “Business” zusammensetzt und erstmals durch den französisch-tunesischen Film von 1992 bekannt wurde. “Business” deshalb, weil diese Männer aus ihren Beziehungen ein Geschäft machen und versuchen auf diesem Wegen an Geld zu kommen, oder aber an einen Pass durch Heirat, der es ihnen ermöglicht dauerhaft ihr Land zu verlassen.

Doch warum schreibe ich überhaupt über dieses Thema? Zum einen bin ich auf meinen vielen Reisen immer wieder damit in Berührung gekommen. Sei es durch Avancen von Männern, die nur so nach Bezness geschrien haben, oder aber, dass ich bei anderen Bezness-Fälle beobachtet habe, bzw. mir von solchen “Liebesgeschichten” erzählt wurde. Dadurch, dass ich über das Thema viel gelesen und wahrscheinlich alle Dokumentationen gesehen habe, die zu finden sind, bin ich tatsächlich auf meinen Reisen nie auf die Männer, die es bei mir mit den typischen Bezness-Strategien probiert haben, hereingefallen. Ein Opfer dieser Art von Liebesbetrug sollte ich trotzdem noch werden, jedoch in Deutschland und nicht in der Ferne. Dazu aber später mehr.

Zunächst einmal will ich über die Erlebnisse meiner Reisen berichten. Typische Bezness-Reiseziele (aus weiblicher Sicht – also die hiesigen Männer versuchen ihr Glück bei westlichen Frauen), die ich besucht habe, sind unter anderem Tunesien, Marokko, Ägypten, die Türkei, aber auch Bali (die Beach-Boys von Kuta und Umgebung). Alle diese Länder, sind Reiseziele, die ich sehr liebe und die ich immer wieder bereisen würde, unabhängig davon, was ich im Folgenden zum Thema Bezness schreiben werde. Insbesondere Tunesien hat es mir bekanntlich sehr angetan und eine Liebeserklärung an das Land habe ich auch schon verfasst: Meine Tunesienliebe. Das wollte ich vorweg genommen haben, bevor ich weiter über meine Erlebnise berichte.

Bali Bezness
Auch auf der schönen Insel Bali gibt es Bezness

Besonders stark wurde ich mit dem Thema Bezness in Tunesien und Ägypten konfrontiert, vermutlich da ich dort insgesamt am längsten, bzw. häufigsten war. Heutzutage ist bei Bezzies (die Abkürzung für jemanden, der sich dem Bezness verschrieben hat) das Internet sehr beliebt, um ihre Opfer kennenzulernen, besonders soziale Netzwerke. Kein Wunder also, dass ich in besagten Ländern geradezu mit Nachrichten auf Instagram überschüttet wurde, sobald ich meine ersten Bilder postete, die meinen Standort enthalten haben. Nach diesem kann man gezielt suchen und somit können die Bezzies dann, ebenso gezielt, diverse westliche Frauen anschreiben, die neu anreisen.

Die Nachrichten, die ich bekommen habe, waren fast immer sehr ähnlich. Entweder so etwas wie “You look so beautiful, but I can see you also have a beautiful soul. I hope we can meet soon”. Oder aber sie haben es mit der Ich-habe-dich-gesehen-Masche versucht: Sie schrieben mir dann, sie hätten mich angeblich im Hotel oder auf der Straße gesehen und alles daran gesetzt, mein Insta-Profil zu finden. Die etwas Fauleren dagegen schrieben nur “Hi” oder “Hello”, die ganz schlechten Bezzies sogar russische Copy- and-Paste-Nachrichten (in Touristenorten mit vielen russischen Touristen). Teilweise habe ich während meiner Zeit in Tunesien oder Ägypten über 100 solcher Nachrichten bekommen. Nun könnte ich es natürlich darauf zurückführen, dass sie sich alle augenblicklich in mich verliebt haben. Aber, nein…! Und auch hier in Deutschland erreichen mich solche Nachrichten weiterhin regelmäßig.

Doch woher weiß ich, dass es sich bei den Accounts, die mich anschreiben, um solche von Beznessern handelt? Sehr auffällig bei diesen Instagram-Profilen ist zum Beispiel oft, dass sie extrem vielen westlichen Frauen folgen (die ihnen mehrheitlich nicht zurück folgen), aller Altersklassen und teilweise sogar Tausenden davon.

Aber auch außerhalb des Internets habe ich Männer getroffen, die ziemlich sicher Bezness verfolgt haben. In Tunesien, wo ich immer wieder im Rahmen von Pressereisen war, hat man mich in den Hotels weitestgehend in Ruhe gelassen, aber in Ägypten, wo ich teilweise alleine und auch schonmal auf einer Pauschalreise war, wurde ich mit ziemlich deutlichen Bezness-Avancen konfrontiert. 2019, Makadi Bay, eine Touristenburg in der Nähe von Hurghada: Ich war mit einem befreundeten Pärchen für 10 Tage in einem All-Inclusive-5Sterne-Hotel, durchaus hochpreisiger und zu einer angesehenden Kette gehörend, doch hat es die Mitarbeiter nicht davon abgehalten ordentlich zu baggern. Der Rezeptionist, welcher ziemlich gut Deutsch sprach, erzählte mir nicht nur immer wieder, dass ich eine der schönsten Frauen sei, die er jemals gesehen habe, nein, er hatte auch noch einige Sprüche auswendig gelernt, wie “Dein Vater ist ein Dieb, er hat die Sterne vom Himmel geholt und in deine Augen gelegt”. Auch wollte er, dass ich ganz bald wiederkomme, um dann Zeit mit ihm in Hurghada zu verbringen. Zudem gab es noch einen Kellner, der mich vom ersten Tag an beim Essen nicht in Ruhe ließ und welcher nach einer Woche dann nach einem Feierabenddate fragte. Als ich ablehnte war er plötzlich gar nicht mehr so freundlich.

Ägypten Bezness
Strand in Ägypten: in Touristen-Orten kommt Bezness am häufigsten vor

Warum ich weiß, dass auch diese Männer nicht einfach wirklich in Liebe zu mir entflammt waren? Zum einen sagt es mir mein gesunder Menschenverstand, zum anderen merkt man es daran, wie routiniert und auswendig gelernt alles wirkt. Wenn ihr dann noch den Satz hören solltet “Age is just a number”, nehmt die Beine in die Hand und rennt.

Bezness in Deutschland

Aber nun möchte ich euch noch, wie bereits angeteasert, von meiner Bezness-Begegnung in Deutschland berichten. Über eine der einschlägigen Datingapps lernte ich vor knapp einem Jahr einen jungen Mann kennen – wir nennen ihn einfach nur I. Meine Intuition sagte mir ziemlich schnell beim Schreiben, dass etwas komisch ist und so antwortete ich ihm nach ein paar Stunden hin und her schreiben nicht mehr. Doch er blieb hartnäckig und schrieb noch ein paar mal im Abstand von einigen Wochen und so wurde ich irgendwann schwach und antwortete doch wieder. I. kam aus der Türkei, so erzählte er mir, musste dann fliehen, weil seine Eltern ihn mit seiner Cousine verheirateten wollten. Es folgten einige Wochen, in denen ich hin und her gerissen war, denn zum einen sagte er mir immer wieder wie toll er mich fand, doch dann wurde er wieder unterkühlt, antwortete viele Stunden nicht auf Nachrichten und log immer wieder wegen Kleinigkeiten. Auch fand ich es sehr seltsam, dass er auf Instagram ständig neuen Frauen folgte. Doch darüber müsse ich mir keine Sorgen machen, so sagte er, denn diese Frauen seien ja alle jung, und er habe ja nur Interesse an älteren Frauen. Hier sollte erwähnt sein: Ich bin Ende 30, er ist Anfang 20 (wenn das Alter stimmt, was ich mittlerweile nicht mehr mit Sicherheit sagen kann).

So wurde ich immer skeptischer. Sein Verhalten schien mir mehr als komisch mit diesen ständigen Wechseln zwischen Nähe und Distanz. Eine typische Bezzie-Manipulationsmasche, wie ich heute weiß. Innerhalb kürzester Zeit wurde ich zum nervlichen Wrack, aß nur noch wenig, rauchte viel und fragte mich, in was ich da eigentlich reingeraten war.

Richtig aufgewacht bin ich jedoch erst, als er wollte, dass ich ihm einen höheren Geldbetrag (mehrere hundert Euro) dafür zahle, dass er für mich handwerkliche Tätigekeiten in meiner Wohnung übernommen hat. Er versuchte sogar noch mich emotional zu erpressen, indem er behauptete er könne seine Miete nicht mehr zahlen und ich sei Schuld daran, wenn er obdachlos würde. In dem Moment wurde mir schlagartig bewusst: Ich war auf einen Bezzie hereingefallen. Zwar blockierte ich ihn auf allen Kanälen, nachdem er mich noch wüst beschimpft hatte, doch er probierte später immer wieder mit Fakeprofilen Kontakt zu mir aufzunehmen. Und als ich ihn später einmal googelte (keine Ahnung, warum ich nicht eher auf die Idee kam), stieß ich auf sein Facebookprofil. Und da traf es mich wie der Schlag, denn beim Runterscrollen fand ich fand ich zahlreiche alte Bilder und Posts von ihm: Und die stammten nicht etwa aus Izmir in der Türkei, der angeblichen Heimat von I., nein, die waren aus Kabul in Afghanistan. Nicht einmal, was seine Nationalität betraf hatte I. mir die Wahrheit gesagt. Seit diesem Fund heißt er in meinem Kopf nur noch “Der Türke, der ein Afghane war”.

Nun bin ich noch glimpflich davon gekommen, da ich ziemlich schnell den Absprung gefunden und das Spiel nicht lange mitgespielt habe. Doch immer wieder gibt es Frauen, die nichts über Bezness wissen und sich in so eine toxische Beziehung hineinziehen lassen und irgendwann so weit drin stecken, dass sie im wahrsten Sinne Haus und Hof verlieren. Man könnte nun sagen “selbst Schuld”, doch wer sich einmal mit den Manipulationstechniken der Beznesser beschäftigt hat, der weiß, dass diese teilweise sehr ausgefeilt sind. Nicht jeder ist ein Anfänger wie I., der bereits nach wenigen Wochen nach Geld fragt. Die meisten warten damit, bis sich das Opfer wirklich in sie verliebt und Vertrauen gefasst hat. Auch noch erwähnt sein soll an dieser Stelle: Nicht jeder Mann aus den genannten Ländern ist ein Bezzie, ganz und gar nicht. Gerade auch in Ägypten, wo ich mich teilweise auch außerhalb der typischen Touristenhochburgen aufgehalten habe, habe ich Männer kennenglernt, die es absolut nicht auf Geld abgesehen hatten. Vielleicht auf schnellen Sex, das mag sein, aber um Geld ging es nicht. Vorsichtig solltet ihr vor allem in den Touristenorten sein, wenn der Verehrer deutlich jünger ist und auch wenn es übermäßig schnell zu extremen Komplimenten oder sogar Liebesbekundungen kommt. Und hier sei nochmal gesagt: Nein, es handelt sich dabei nicht um wahre Liebe, auch wenn man das manchmal vielleicht gern glauben möchte.

Falls ihr auch noch weiter in das Thema einlesen wollt, so habe ich hier noch ein paar Links für euch:

Focus-Artikel: Fiese “Bezness”-Masche

Aachener Zeitung: Hurghada: Die vermeintlich große Liebe

Roman über eine Bezness- Liebe mit einem Sri-Lankaner: Hera Lind – Der Prinz aus dem Paradies

Reportage über Bezness auf Bali: Cowboys in Paradise

6 Kommentare

  1. Vielen Dank für Ihren interessanten Bericht, der zwar für mich nichts Neues enthielt, da ich selbst über dieses Thema schon viel geschrieben habe (u.a. die Erfahrungsberichte von neun Frauen in “Mein Ägypter und seine Jungfrau”), jedoch war mir die Entwicklung in den letzten Jahren bzgl. der neuen social-media-Kanäle nicht bekannt. Die Bezzies haben es tatsächlich immer einfacher, an Opfer zu kommen. Man kann nur alle Frauen davor warnen, auch wenn ich mich manchmal wundere, dass diese Masche (auch als Romance-scamming bezeichnet) sich noch nicht bis zu allen herumgesprochen hat.

    • Danke für deinen Beitrag, liebe Cornelia. Und ja, das Internet hat vieles erleichtert. Aber ist Scamming nicht eher so auszulegen, dass Profile erstellt werden von Personen, die es eigentlich nicht gibt? Bei denen, die ich meine handelt es sich um reale Personen, die das Internet zur Kontaktanbahnung nutzen. Lieben Gruß

    • claudiabender37@gmail.com Bender

      Hallo Bezzness ist überall auf der Welt
      Bei XYZ lief darüber schon was .
      Nigeria ist auch dabei .
      Alles läuft über Internet !
      Dann gibt es auch Foren speziell was Bezzness betrifft .
      MfG
      Claudia Bender

  2. Ich kenne das Thema total gut! Vor mindestens 10 Jahren war das auch mal groß in den Medien, damals hatte ich auch so eine Art Blog gefunden, der diese Storys von Frauen veröffentlicht hatte. Das war wahnsinnig erschreckend, was da teilweise berichtet wurde. Weiß gar nicht, ob es die Seite noch gibt…

  3. hallo,bin auch auf einen bezzie reingefallen, er hat mein Leben ruiniert habe meine Kinder verloren, mein Konto gepfändet, etliche Schulden,er hatte versucht mich zu töten und bekam nur eine Geldstrafe dafür und ich lebe mit körperlichen Problemen

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